Holderhof setzt auf E-Mobilität

20.10.2025 | Blog

Auf den Kräuterfeldern von Holderhof ist schweizweit der erste vollelektrische Fendt-Standardtraktor unterwegs. Zudem transportieren künftig E-Lastwagen die Holderhof-Getränke. Es sind zwei weitere Puzzlesteine auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit als wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie.
Vollelektrischer Traktor Fendt

Laut sind vor allem der Erntewagen und das Mähwerk, das gerade die letzten Pfefferminzen des Jahres schneidet. Vom ziehenden Traktor ist hingegen kaum etwas zu hören. Kein Wunder: Er fährt mit einem Elektromotor. Erst als Betriebsleiter Remo Knöpfel mit dem vollen Erntewagen zur Trocknungsanlage fährt, ist ein feines Surren des Elektromotors zu hören. Anfang Oktober ist der e107 Vario des Traktorherstellers Fendt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Holderhof in Ufhofen angekommen. Es ist der erste vollelektrische Standardtraktor von Fendt in der Schweiz. Remo Knöpfel setzt ihn künftig für die Kräuterernte, das Setzen der Jungpflanzen oder zum Striegeln des Bodens ein. Und wie ist für ihn das Fahrgefühl? «Eigentlich gar nicht so speziell im Vergleich zum Dieseltraktor – abgesehen vom fehlenden Ton», antwortet er. 

Holderhof reduziert den CO2-Ausstoss

Auf den Schweizer Äckern ist die Elektromobilität bis jetzt noch kaum angekommen. Das liegt nicht nur an der mangelnden Verfügbarkeit von Modellen. Die Umstellung vom üblichen Diesel- auf Elektroantrieb hat ihre Tücken. Die leisen Elektromotoren arbeiten zwar sehr effizient. Doch bei kräftezehrenden Arbeiten wie Pflügen, Mulchen oder Fräsen kommen sie an ihre Grenzen und die Batterie leert sich schnell. Um diese dann über den Mittag aufzuladen, braucht es eine leistungsfähige Ladestation auf dem Betrieb, die aber ihren Preis hat. Remo Knöpfel muss die Einsätze des E-Traktors entsprechend gut planen. Er schmunzelt: «Ich will ja nicht mitten auf dem Feld stehen bleiben.» Trotz allem ist Holderhof von der innovativen Technologie überzeugt und hofft, dass das Vorzeigeprojekt auch auf anderen landwirtschaftlichen Betrieben Schule macht.

Transporte mit E-Lastwagen

Holderhof setzt konsequent auf die Elektromobilität. Firmengründer Christof Schenk ist seit Jahren mit dem Elektroauto unterwegs. Er weiss, wovon er spricht. Mit der Investition in eine E-Lastwagenflotte legt der Ostschweizer Lebensmittelhersteller nun noch eine Schippe darauf. Gemeinsam mit der Firma Keller Transporte AG in Bischofszell schaffte Holderhof vor kurzem vier E-LKWs von Mercedes Benz an. Christof Schenk setzt hier ein klares Ziel: «Bis in zwei Jahren sollen die E-LKWs 90 Prozent der Holderhof-Produkte ausliefern.» Neben der Elektrifizierung der Fahrzeuge arbeitet das Unternehmen auch in der Herstellung der Produkte konsequent an der Reduktion des CO2-Fussabdrucks. Für die jährlich am Standort in Henau produzierten 70 Millionen Flaschen Getränke oder die am Standort in Sulgen verarbeiteten 20‘000 Tonnen Früchte zu Saft und Pürees braucht es einiges an Energie. Dazu kommt die eigene Trocknungsanlage der Kräuter in Ufhofen. Der für diese Prozesse benötigte Strom stammt ausschliesslich aus erneuerbaren Energien. Dazu gehören 1,3 Millionen Kilowattstunden Solarstrom von den eigenen Dächern. Das deckt einen Drittel des Strombedarfs ab, den Rest kauft die Firma mit zertifiziertem Wasserstrom zu. 

Energie effizient einsetzen

Mit der effizienten Verwendung von Energie setzt der Holderhof auf einen weiteren Baustein, um den CO2-Fussabdruck in seinen Produkten herunterzubringen. Holderhof nutzt dafür zahlreiche Technologien. Die Abwärme aus der Saftproduktion im Fruchtverarbeitungszentrum in Sulgen heizt im Winter beispielsweise das gesamte Gebäude. Das Free-Cooling-Prinzip ist eine andere unspektakuläre, aber sehr effiziente Art, Energie einzusparen: Im Winter kühlt die kalte Aussenluft die Hallen in Sulgen mit den Lagertanks. Für Christof Schenk ist die konsequente Reduktion des CO2-Fussabdrucks in den Holderhof-Produkten eine Herzensangelegenheit: «Dafür setze ich mich Tag für Tag ein!»

Vollelektrischer e107 Vario von Fendt mit Kräuterernte-Wagen.

Auf dem Holderhof ist der in der Schweiz erste vollelektrische Standardtraktor e107 Vario von Fendt unterwegs.

Auf dem Holderhof ist der erste vollelektrische Standardtraktor e107 Vario von Fendt unterwegs.

Der E-Traktor wird unter anderem bei der Ernte der Kräuter eingesetzt.

vollelektrische Standardtraktor e107 Vario .

Äusserlich unterscheidet sich der E-Traktor kaum von einem Diesel angetriebenen Traktor.

Blühende Holunderbäume aus der Vogelperspektive.

Remo Knöpfel vermisst den Sound des Dieselmotors nicht.

Übergabe E-Traktor

Übergabe des E-Traktors e107 Vari: (Im Bild v. l. n. r:) Peter Traber, Traber Landmaschinenbetrieb AG, Remo Knöpfel, Christof Schenk und Marco Hutter, GVS Agrar AG.

Christof Schenk im E-Traktor.

Holderhof-Inhaber Christof Schenk (links) lässt sich den E-Traktor persönlich erklären.

Blühende Holunderbäume aus der Vogelperspektive.

Der Holderhof transportiert seine Säfte und viele andere eigene Produkte künftig mit Strom.

PV Anlage in Henau.

Der Holderhof produziert eigenen Solarstrom, wie hier auf dem Gebäude am Standort in Henau.

PV-Anlage im Fruchtverarbeitungszentrum in Henau

Ein Drittel des Strombedarfs deckt der Holderhof mit eigener Solarenergie, wie hier auf dem Dach des Fruchtverarbeitungszentrums in Sulgen.